Mittwoch, 18. Mai 2016

Rangordnung



29.   Die Rangordnung der Werte bestand bis etwa 500 vor dem Idioten; dann wurde sie durch eine perverse, Idiotie vorbereitende Ideologie umgedreht. Bis dahin galt: Wenn der Mann redet, schweigt die Frau. Der Wechsel deutet sich schon bei Sokrates an: Wenn er von seinen „philosophischen“ Exzessen nach Hause kam, wurde er von Xanthippe (Falbe Stute) ohne Ende beschimpft - derselben, die später im Gefängnis mit ihren Kindern Terz machte, - nein, mit Ende: sie übergoß ihn mit Wasser (Urin?), der Narr aber sprach: Wenn Falbe Stute „donnert“, muß sie auch regnen! (Diogenes Laertius, II, 36) Derlei Witzigkeit ist alles, was von den alten Heroen übrig ist, und heute, 2500 Jahre später, ist die Narrensaat, von dem Gottesidioten in Religion überführt, voll aufgegangen: man versucht, mich mundtot zu machen.
Doch woher die Rangordnung und meine und Dávilas abgrundtiefe Verachtung des rohen Haufens? Bei Naturvölkern ist es ja so, daß eine Gleichheit aller als selbstverständlich angenommen wird, selbst wenn sie sich durch ihren Status in der Organisation unterscheiden. Ist also der Wille zur Selbstverantwortlichkeit ein kulturelles Phänomen, das mit der Kultur auch wieder verschwindet, was sich zurzeit zu ereignen scheint? Die Masse (mobile vulgus) sackt nach dem Durchgang durch die Kultur, die Menschen im höheren Sinne emporzüchtete, wieder in die ursprüngliche Gleichheit zurück, doch jetzt, nach Zerstörung der natürlichen Vernunft, „um tierischer als jedes Tier zu sein“.

Ich glaube, daß es der perverse Rückschritt am demokratischen Fortschritt ist, was mich so gegen ihn aufbringt: die Verhöhnung der unschuldigen Gleichheit durch ein ideologisch freigesetztes dünkelhaftes Pack, aus dem jeder Einzelne denkt, etwas Besseres zu sein. Daß man das Pack adeln könne – durch Theater!! – war eine gründlich falsche Hoffnung Schillers.  Man denke nur, was aus dem Filmtheater geworden ist, seit sich der Amerikaner in seiner skrupellosen Geldgier seiner angenommen hat!


30.   „We are the world, we are the people“. – Bei diesen Wohltätigkeits- oder Gedenkveranstaltungen, bei denen alle Popstars gemeinsam für einen “guten Zweck” auftreten, kann man bei wandernder Kamera die Idiotie jedes Einzelnen ganz unverdeckt in geradezu medizinischer Deutlichkeit sehen. Da sich alle durch die Gruppe gedeckt fühlen, geben sie sich keine Mühe der sorgsam-„ernsthaften“ Profilierung, sondern legen die ganze Verzerrung ihrer schwachsinnigen Existenz wie verzückt in den Augenblick, der sie als Teilnehmer dieses Stelldicheins zeigt: eine Grimasse verzerrter und ekelhafter als die andere.


31.   Nach dem Dritten Reich weiß man, daß fast jeder Deutsche ein potentieller Blockwart ist. Das Dritte Reich war gewissermaßen eine Stunde der Wahrheit. Es hat eigentlich nur eine wichtige Erkenntnis ermöglicht.


32. Obesed people geben, wenn sie andere Völker überfallen, trotz militärischer Überlegenheit immerhin ein gutes Ziel für verteidigende Kämpfer ab. Mo Dse sagt: „Selten nur sterben ausgezeichnete Menschen nicht an dem, was sie auszeichnet.“ Vielleicht sterben aber auch die gemeinen letztlich an ihrer Gemeinheit, ja, gewiß ist es so!


33.   „Warum „Brigantenunwesen“? Wenn 1870 ein Franktireur einen preußischen Verpflegungswagen überfiel und die Besatzungssoldaten umlegte, wurde er als Held gefeiert. Natürlich, wenn ich das sagte, würde man aufspringen: „Wie können Sie das vergleichen …?“ Nun, ich vergleiche eben, und ich setze sogar gleich. Wie es auch um seine Kultur und den Grad der Zivilisation bestellt sein mag, ein überfallenes Volk bleibt stets ein überfallenes Volk. Und wenn es danach trachtet, dem Eroberer soviel Schaden wie möglich anzutun, so nennt der elementare gesunde Menschenverstand das legitim. Gerade das empört mich bei uns Franzosen: daß der Gegner stets als Bösewicht hingestellt wird. Gleichgültig, mit welchen Mitteln, sogar mit den gemeinsten, will man die Fiktion aufrechterhalten, wir allein hätten das Recht auf unserer Seite.“ (Montherlant, Die Wüstenrose, München 1981, S. 373) Ich erlaube mir, die Anwendung dieses Gedankens auf Afghanistan zu machen, auf den Irak und andere überfallene Länder.


34.   In Deutschland lauert in fast jedem ein kleiner Robespierre. Fontane hat das gewußt. Es ist im Grunde der einfältige Ede in „Unterm Birnbaum“ der Prototyp dieses Deutschen. Das kommt daher, weil der Pöbelmann durch Moral nach oben gekommen ist und mit ihr nun die Guillotine bedient.


35.  „„Niebuhr hat recht gehabt“, sagte Goethe, „wenn er eine barbarische Zeit kommen sah. Sie ist schon da, wir sind schon mitten darinne; denn worin besteht die Barbarei anders als darin, daß man das Vortreffliche nicht anerkennt.““ (Eckermann unter dem 22.3.1831)


36.   Latrinenparolen. – Vom Volk der Dichter und Denker … Das christliche Abendland ist von Anfang an das Scheißhaus des Altertums und seiner kultivierten Völker gewesen, und die Deutschen haben seine Wände mit immer absurderen Latrinenparolen beschmiert. Früher las man sie „an den buochen“, heute springen sie aus den Briefkästen und hageln aus den Medien.


37.   Ich glaube, daß der Unterschied zwischen der animalischen Art Mensch und der menschlichen darin besteht, daß der animalische Mensch seine Lebenszeit zu überbrücken sucht, da er sie mit einem „unglücklichen Bewusstsein“ à la Sartre erlebt. Der menschliche Mensch, zumal der auf dem Weg zum Übermenschen, nutzt sie zu einem von Seinsnähe bestimmten kreativen Leben. Man soll das nicht umgekehrt sehen! Obgleich Schopenhauer diesen Unterschied grundsätzlich sieht, vernachlässigt er ihn sehr oft, woraus sich der Pessimismus seiner Philosophie erklärt. Er empfindet abendländisch-platonisch eine Gleichheit der Menschen und schreibt dann über die Art Mensch, von der er sich distanziert, ohne zum Bodhisattva zu werden.


38.   Anstatt dem Übermenschen vorzuarbeiten, bringen die meisten Menschen die besten Jahre ihres Lebens damit zu. an der Vernichtung der Welt mitzuarbeiten. Der Platz, den der einzelne junge Familienvater für „das Auto“ zubetoniert, wird von der Natur in den seltensten Fällen zurückerobert, wenn sich die Träume des betrogenen Betrügers zerschlagen haben.


39.   Die Sinnfrage stellt sich dem Unkreativen; sie kommt, wenn einem nichts mehr einfällt. Sollen doch die Unkreativen an ihrer Sinnsuche und Fragerei zugrunde gehen!


40.   „The pure light of chivalry (…) alone distinguishes the noble from the base, the gentle knight from the churl and the savage, which rates our life far, far beneath the pitch of our honour; raises us victorious over pain, toil and suffering, and teaches us to fear no evil but disgrace. (…) Chivalry! Why, (…) she is the nurse of pure and high affection – the stay of the oppressed, the redresser of grievances, the curb of the power of the tyrant – Nobility were but an empty name without her, and liberty finds the best protection in her lance and her sword.” (Walter Scott: Ivanhoe, Wordsworth Editions Ltd. o.O. 1995, S. 248) (1)

(1)  Die Jacobites und High Tories versuchten zwischen 1688 und 1745 als fanatische Anhänger der Stuarts einen heroischen Idealismus und ein Zurückdrehen der Geschichte zu verwirklichen. Ihr Studium beeinflusste stark Walter Scotts Vorstellungen, während er „Ivanhoe“ schrieb. In „Ivanhoe“ (S. 247 f.) äußert sich Rebecca wie Thersites, und Scott lässt den verwundeten Ivanhoe all das begeistert vortragen, was bei Homer noch als selbstverständlich unausgesprochen bleibt: das Hohe Lied auf Kampf und Ehre …


41.   Was in Thailand sofort in die Augen fällt, ist die physiologische Verkrüppelung des westlichen Menschen, bedingt durch Jahrtausende der Widernatur und psychophysischer Parallelvergewaltigung. Hier kommt man durch unmittelbare Apperzeption zur Erkenntnis der Verkrüppelung, und der Verstand bietet mögliche Begründungen an, von denen der intelligente Mensch die richtige annimmt, der dumme die angenehmste. Dummheit ist eine Form der Genusssucht; deshalb erregt sie auch Ärgernis; das Christentum ist eine Art Massenbesäufnis. Den Schnaps schenken die Medien ein.
Journalismus: die widerlichste Form des pekuniären Voyeurismus von der Zudringlichkeit der Schmeißfliege, mit dem ekelhaften Anspruch auf Zutritt und Berücksichtigung, - und alles unter dem verlogenen Mäntelchen der Aufklärung über die Wahrheit und Information. Die Neugier und Sensationslust, Eigenschaften des Pöbels, werden durch die Medien bedient, zugleich seine Gier durch Werbung …


42.  „Alles Edle ist an sich stiller Natur und scheint zu schlafen, bis es durch Widerspruch geweckt und herausgefordert wird.“ (Goethe zu Eckermann, 1.4.1828) „Ein Lump bleibt freilich ein Lump, und eine kleinliche Natur wird durch einen selbst täglichen Verkehr mit der Großheit antiker Gesinnungen um keinen Zoll größer werden.“ (Ebd.) Und „quel mal y a-t-il à   
être vaincu? Par la société? C’est un honneur … Par un ennemi? C’est un saute du vent.“ (Montherlant)


43.  „Ein Mensch, der fern von der größern gesellschaftlichen Welt erzogen worden, der von den feineren Lebensregeln, von der raffinirten, aber zur Gewohnheit gewordenen Höflichkeit und dem ganzen Ceremonialgesetz der feineren Welt nichts weiß, der nur auf sich selbst und nicht auf das, was andere von ihm denken mögen, Acht hat; ein solcher Mensch wird in den meisten Gesellschaften etwas lächerlich scheinen, nach ihren Urtheilen ins Grobe fallen, aber naiv genannt werden. (…) Von welcher Seite her man das Naive untersucht, so zeigt sich, daß es seinen Ursprung in einer mit richtigem Gefühl begabten, von Kunst, Verstellung, Zwang und Eitelkeit unverdorbenen Seele habe. Die Einfalt und Offenherzigkeit im Denken, Handeln und Reden, die mit der Natur übereinstimmt, und auf welche nichts willkührliches, oder gelerntes von außenher den geringsten Einfluß hat, (…) scheinet das Wesen des Naiven auszumachen. Es äußert sich in Gedanken, im Ausdruck, in Empfindungen, in Sitten, Manieren und Handlungen.“ (Sulzer, Allgemeine Theorie der schönen Künste; „Naiv“)


44. „Kein Hirt und eine Herde! Jeder will das Gleiche, jeder ist gleich: wer anders fühlt, geht freiwillig ins Irrenhaus.“ (Zarathustras Vorrede, 5.) Die entscheidende Frage ist, ob das Anders-Fühlen ein soziopsychologisch erklärbarer Wahn bei einzelnen ist, den es zu heilen gilt, da er in einer „demokratischen“ Gesellschaft schnell mit Leid verbunden ist, oder ob es tatsächlich Rang-Unterschiede gibt, die festzustellen und als werteverbürgend festzuhalten sind, notfalls von den Hochrangigen selbst. Wie aber sollen sich die in der verpesteten Luft des Ressentiments Vereinsamten solidarisieren, um die ihnen gebührende Macht in der Gesellschaft wiederzugewinnen? Niemals durch Aufklärung, sondern nur durch Manipulation des „großen Lümmels“ (Heine) ließe sich etwas ausrichten oder dadurch daß aus kleinen Kreisen eine neue Art Mensch hervorwächst, die das Gesicht der Erde verändert. Von Goethes „theatralischer Sendung“ ist man bis zur „Sendung mit der Maus“ hinabgesunken. Vielleicht birgt die völlige Verblödung der Massen die Chance, daß sich die Vernunft wieder durchsetzt.
Ja, es ist so: Als Gattungswesen und Gesellschaftswesen sind alle Menschen beruhigend und erschreckend gleich. Für die allermeisten beruhigend, wenn und weil sie die ideologische Indoktrinierung ihrer Gesellschaft, des Volkes, in dem sie leben, über die Zeit retten. Nun gibt es aber einen speziellen Konsens, der Einzelne aus der Gattung heraus und über sie hinaus heben kann. Einen solchen Konsens einzugehen, ist ein Abzeichen höheren Ranges, weil sich hierin eine Macht verrät, die die Gattung zukunftverbürgend transzendiert.

Dienstag, 13. Oktober 2015


12.   Der Staat erzwingt Ideologien, greift zerstörend in gewachsene Verhältnisse und zwischenmenschliche Beziehungen ein. Er baut darauf, daß die Männer über die Vater-

Gefühle erpressbar sind und sich nach der Entführung ihrer Kinder zu jeder Zwangsarbeit bereit erklären. Aber er hat allmählich die Rechnung ohne den Wirt gemacht: Die Männer lernen es, den Eier-Opfer-Stock leer zu lassen, das heißt keine Kinder mehr zu zeugen oder sich an den Verlust ihrer Kinder zu gewöhnen, das heißt individuell zu verrohen und sich in asoziales Verhalten einzuleben. Dazu paßt die Verrohung des Umgangs mit Recht, die sich als Rechtsstaatlichkeit ausgibt. Die Frauen werden wieder hysterisch, und der Staat wird wieder deutlicher Polizei-Staat, was er eigentlich immer ist, wenn er nicht Gottesstaat ist.


13.   Die gewaltigen Gottes-„Staaten“ des Altertums sind im gierigen Treibsand demokratischer Quasselbuden-Staaten  versunken, beherrscht von „la bande à Walter“, wie es Maupassant beschreibt.

Vom „Unfug der Preßfreiheit“ schreibt die Droste unter dem 27.3.1831.
Das ungeheure Wissen der alten Welt, dessen Ausmaß wir bei Enträtselung ihrer polydeiktischen Schriften nur erahnen können, ist zur Wissenschaft von Nasa-Krüppeln, die in Thailand an autoerotischen Unfällen versterben, und anderen Pinocchios heruntergekommen, die Welterfahrung durch Einsteinerei und abgeschmackte ideologische Lügen ersetzen, - menschliche Surrogate der Unaufrichtigkeit …

14.   Das Internet sorgt dafür, daß die Kinder nicht mehr vor der Gesellschaft sicher sind.


 Bei  kurzen Szenen aus den Oberammergauer Passionsspielen im thailändischen Fernsehen habe ich mich schrecklich geschämt, als mich die Leute ansahen und fragten, ob das meine Religion sei. Der Zusammenhang zwischen Kindesmißbrauch und Hardcorechristentum ist in jüngster Zeit zur Genüge deutlich geworden. Man lese meine Schriften, um ihn und Nietzsches Gesetz gegen das Christentum zu verstehen. Die Pornographie lebt wesentlich von der erregenden Vorstellung der Sündhaftigkeit „schamloser“ sexueller Betätigung, infolge der Sexualvergiftung durch das Christentum; deshalb muß die  Entwicklung  der Pornographie, ihr „Fortschritt“, zur Kinderpornographie tendieren, weil diese durch die Konnotation der „Unschuld“ der Kinder den Kitzel der Lasterhaftigkeit und Verworfenheit in besonderem Maße bietet. Für den Konsumenten kommt der Reiz des Verbotenen hinzu, beim Priester das Gefühl nicht überfordert oder gefordert zu sein, dank quasi väterlicher Autorität. Das Christentum hat die Erotik zum Laster gemacht, das sich zu einer echten Sucht ausgewachsen hat. Diesem Laster und der Sucht nachkommen zu können, war dem Mann zuletzt keine Bestechung zu blöde, kein Zugeständnis zu dumm, bis zur Selbstaufgabe und völligen Unterwerfung! Welch schauderliche Geschichte des westlichen „Fortschritts“ …
Was die Wahnidee eines modernen deutschen Hosenanzug-Staates meinen vier Kindern angetan, ist nicht weit entfernt von dem, was Kinder weltweit von Wahnregimen zu leiden hatten. Warum wird letzteres nicht von den arabischen und asiatischen Ländern angeprangert? Warum schaut die Welt beim Seelenmord zu? Ist es, weil der deutsche Geist so unergründlich irrsinnig und verschlagen ist, daß man anderswo gar nicht bemerkt und begreift, was vor sich geht? Was soll man von einem Volk halten, welches das Singen seiner Nationalhymne unter Strafe stellt, das die Farben seiner Flagge vertauscht hat, das zur Zerstörung seiner Restkultur eine falsche Rechtschreibung einführt? Ich denke, man muß da selbstzerstörerischen Identitätsverlust diagnostizieren. Dieses Volk organisiert die Schändung seiner Kinder und Menschenhandel mit der Jugend innerhalb seines Staatswahnsinns unter dem Begriff „Jugendamt“.
„Was soll ich länger weilen, daß man mich trieb hinaus?“ Nachdem in Deutschland dem Unbescholtenen der Besitz fast ganz benommen ist, in einem Grade, daß er anfangen müsste, lächerliche Nebeneinkünfte zu vermeiden oder zu verheimlichen, ist es nicht verwunderlich, wenn er sich mit dem Wenigen, was ihm verblieb, ganz davonmacht.



15.   Ich brauche nur kurze Zeit fernzusehen oder den „Spiegel“ zu lesen, um mich beschmutzt und missbraucht zu fühlen. Fernsehen zerstört die Seele des Menschen. Es ist ein Verbrechen, Kinder dem Fernsehen auszusetzen. Verantwortungslose Schweine bereichern sich an der Zugrunderichtung des Menschen durch die modernen Medien. Vom Kino heißt es im „Zauberberg“, es sei eine „humanitätswidrige Darbietung“, und „scharf zu verneinen“ und zu „geißeln“ sei „der Missbrauch der Technik zur Belebung so menschenverächterischer Vorstellungen“. (Fischer-Taschenbuch, Frankfurt am Main 1982, S. 335)
Der Pöbel inszeniert eine Sauerei, die von der nächsten Generation schon nicht mehr als solche erkannt wird: das ist der Fortschritt …
„An den sogenannten Gebildeten, den Gläubigen der „modernen Ideen“, (wirkt) vielleicht nichts so ekelerregend als ihr Mangel an Scham, ihre bequeme Frechheit des Auges und der Hand, mit der von ihnen an alles gerührt, geleckt, getastet wird; und es ist möglich, daß sich heute im Volke, im  niedern Volke, namentlich unter Bauern, immer noch mehr relative  Vornehmheit des Geschmacks und Takt und Ehrfurcht vorfindet als bei der zeitunglesenden Halbwelt des Geistes, den Gebildeten.“ (Jenseits von Gut und Böse, nr. 263)



16.   Meine ganze Wissenschafts- und Staatskritik wird von Naphta im „Zauberberg“ ausformuliert (vor allem Fischer-Taschenbuch, Frankfurt am Main 1982, S. 419 f.). Allerdings hält Naphta Staat und Wissenschaft für Feinde des Christentums und sieht gar nicht, wie sie aus ihm entwachsen sind mit den anderen modernen Ideen Settembrinis.  Dessen Weltimmanenz gilt es mit den hierarchischen Strukturen zu verbinden, die Settembrini abgeschafft sehen will. Naphtas Argumente gegen Staat und vor allem Wissenschaft (siehe auch S. 731 ff.) sind Gold wert. Kluge Leute haben sich viel heftiger gegen den endgültigen Durchbruch des Irrsinns gestemmt als ich dachte; man denke nur auch an Egon Friedell! (vgl. auch Friedell, III , Epilog, insbesondere S. 566 f.)



17.   Man hat in den letzten Jahrzehnten ideologisch hölzern am Menschen irrsinnig herumgebastelt und gegen den Mann, das Kind, die Familie  -  und  mithin indirekt auch gegen das Weib – Verbrechen auf Verbrechen gehäuft. Die per se unterbelichteten juristischen Legospieler und die ihrer Ignoranz Alibis verschaffenden Jugendämter mit totalitär geschultem, fanatischem weiblichem Führungspersonal haben den Verbrechen den Schein von Rechtsstaatlichkeit verliehen. Im Vergleich mit der Epoche des nationalsozialistischen Terrors durch den gleichen Pöbel schreckte man lediglich vor körperlicher Folter und Mord zurück, - ein für die Betroffenen schwächerer Trost als man denkt. Dieses ekelhafte Land mit seiner erbärmlichen Sesselfurzer(innen)politik! Diese Verhöhnung jeglicher Menschenwürde, jeder Liebe und Kultur!



18.   Nachdem sich zuerst in Griechenland der philosophische Fanatismus herausgebildet hatte, verband er sich im Christentum zum ersten Mal mit der Religion. Nur so ist der überwältigende Erfolg dieser abartigen Lehre zu verstehen. Mittlerweile, das heißt nach zweitausend Jahren, sind alle Bereiche des Lebens fanatisiert: Staat, Wissenschaft, Sozietät – alles ist ideologisiert und wahnhaft logifiziert. So finster wie heute ist noch keine Epoche in der Menschheitsgeschichte gewesen. „Aufklärung“ war die Losung und das Fanal zur globalen  Selbstgehirnwäsche. Den Völkern, die sich noch wehren, hilft man nach.  



Und in der Spätphase des Kapitalismus: „Er sah durchaus Unheimliches, Bösartiges, und er wusste, was er sah: Das Leben ohne Zeit, das sorg- und hoffnungslose Leben, das Leben als stagnierende betriebsame Liederlichkeit, das tote Leben. Geschäftigkeit herrschte darin, Betätigungen von allerlei Art liefen nebeneinander her; doch dann und wann artete eine davon zur wilden Modewut aus, der alles fanatisch unterlag.“ (Zauberberg, a.a.O. S.664) Die Photographiererei gilt Thomas Mann als „allgemeine Narretei“ (ebd.)



Albéric Profitendieu. – Das ist schon etwas Gutes bei Gide, daß er den Staatsanwalt so nennt:    


heimtückische, böse Zwerge, die im Namen des schwachsinnigen Volkes, so wahr ihnen Gott helfe, ihren Profit machen. Vom Comte de Passavant wird gesagt, daß er alles Lebendige um sich her unglücklich gemacht habe; das lässt sich auch vom Staatsanwalt Paravant im „Zauberberg“ vermuten, der seine gestörte Geilheit mit Mathematik und, wie ich denke, Rechtsvorschriften zu unterdrücken sucht. Mit den Früchten solcher Bemühungen will nun das (pseudo)demokratische Geschmeiß seinen Vernichtungsfeldzug gegen den aristokratischen Menschen als „Fortschritt“ vorantreiben.



19.   Es ist klar, daß im histrionischen Zeitalter, in dem das Sein zum Schein wird, das exhibitionistische Gelüst des pöbelhaften Voyeurs zu Foto, Film und Fernsehen drängt und der abstoßende Beruf des „Schauspielers“ als ehren- und höchst erstrebenswert gilt. Im Staat sind die Politschauspieler oben, die im Formalismus (Bürokratie) ihre Substanzlosigkeit ausleben können.


Die derzeitige Mode der Glatzköpfigkeit könnte Ausdruck der verinnerlichten Verbrecherideologie des Christentums mit ihrem Seitenstück des Reinlichkeitswahns sein, der schon vor Platons Logifizierung der „Erkenntnis“ im alten Ägypten angelegt war, ursprünglich wohl aus hygienischen Gründen, die dann im Kult ritualisiertes Verhalten mit den bedenklichen Auswüchsen zeitigten.




20.   Es ist doch wohl klar, daß jemand, der zur Wahrheitssuche in Ehrlichkeit erzogen wurde und keinen Grund hatte, frühzeitig heucheln zu lernen, damit enden muß, die Verlogenheit und Heuchelei der meisten Einzelnen und ihrer übergreifenden Lügengespinste wie Kirche, Staat, Wissenschaft etc. zu entlarven und im Kampf gegen sie seine eigene Natur zu verteidigen.



21.   Der Widerstand gegen das Naziregime war dadurch von Anfang an erheblich erschwert, daß es demokratisch an die Macht gebracht worden war. Man wollte sich nicht eingestehen, daß gleich der erste demokratische Versuch voll danebengegangen war. Daß es um den zweiten Versuch nicht besser steht, will man sich bis heute nicht eingestehen, ist man doch den Amerikanern voll in den Leim nachgetappt. Europas Abschaum war nach der Entdeckung Amerikas eine Zeit lang dorthin abgeflossen und daselbst zu einer Kloake angewachsen, die dann nach Europa zurückschwappte. Die westliche Welt ersäuft jetzt geradezu in amerikanischer Jauche. Das Rechts- und Staatswesen ist ein einziger Jauchegrubenfall. Wie soll es sich aus dieser Treibjauche, sprich Fortschritt, befreien? Von diesem „schauerlich-skurrilen Leviathan (…), der den Planeten zu verschlingen droht, ein Chaos aus Wirtschaftselefantiasis, Übertechnik, Megaphongebrüll und Psychoanalyse“ (Egon Friedell, Kulturgeschichte der Neuzeit, München 1948, Band 3 S. 307).



22.   Thoreau schreibt irgendwo, daß seine einzigen Probleme mit Menschen und Gesellschaft immer die mit staatlichen Institutionen gewesen sind. Mein „Unglück“ und das meiner Kinder ist einzig und allein dadurch zustande gekommen, daß der Staat die „Rechte“ der Frauen durchsetzen wollte und in private Angelegenheiten dumm und roh hineingegrätscht ist, - wie er auf politischer Ebene, als deutscher Staat, zum Beispiel in Afghanistan sich eingemischt hat.
Wieso kümmert sich die Polizei darum, wenn fast täglich in den Bahnhöfen Leute zu Tode geprügelt werden? Die Freiheit wird doch am Hindukusch verteidigt!


Habe Rosegger gelesen, „Von meiner Mutter“, mit großer Rührung; wäre auch gerne ein solcher Waldbauernbub gewesen! Nichts von Unterdrückung der Frau, nichts von Emanzipation! Die Narretei ging erst später los und im Flachland. Und doch ist die Teufelei von Anfang an im Abendland angelegt gewesen. In der Naturnähe der Berge hat sich der ideologische Kern erst spät gegen die natürlichen Verhältnisse wenden können; im Grunde ist er ja auch ein perverser Luxus …


Das Leben einer Generation des Menschengeschlechts dauert gerade so lange, daß die Veranstaltung „Geschichte“ aufrecht erhalten werden kann und man in Zeiten des Verfalls noch ein wenig Narretei dem allgemeinen Blödsinn hinzufügen kann.


Es ist die Springflut des Pöbels und seiner „Herrschaft“, des Pöbels in seiner barbarischen Gier und Geschmacklosigkeit, an der die Welt zugrunde gehen muß, „wo auch kein Retter ihr erscheint“.



23.   Ich habe dem Staat mein Bestes gegeben, und der Staat hat mir sein Schlechtestes gegeben; und es war, wie es sein muß, sehr gut und sehr schlecht; denn allein der (genialische) Einzelne kann etwas Gutes geben, von Herzen. Der Staat, das „ kälteste aller kalten Ungeheuer“ (Nietzsche), ist als das Allgemeine notwendig das Schlimme, und am schlimmsten gegen den, der es nicht anbetet in seiner blutleeren Dürftig- und Schimärenhaftigkeit. Dies hätte man an den Schulen lehren müssen, – man hat es nicht gelehrt, man wollte, wie Sokrates, die Jugend verderben, man hat seinen Anschlag auf das Leben selbst unterstützt. Das Abendland ist immer noch todeswütig.



24.   Hitler hat den Siegeszug des Staates zu seiner Machtergreifung genutzt; denn den Kaiser – das eigentliche Gegengewicht des Staates – den wollte man damals noch wieder haben, notfalls in der modernen Gestalt des Führers.



Man sieht diesen Kampf zwischen König und Staat derzeit in Thailand, wo die guten Leute verbissen an ihrem König festhalten, während sich die amerikanisierten Lumpen von vollständiger „Demokratisierung“ Vorteile erhoffen.



25.   Wer Haß sät, wird Haß ernten: Das Christentum als Staat erntet jetzt meinen Haß, den es mir natürlich verbieten will! Sich nicht zum Symptomträger der Kreuzträgergesellschaft machen zu lassen, wenn man in ihr aufwächst und lebt, ist eine übermenschliche Leistung, die nur ganz wenigen gelingen kann. Der Kapitalismus ist nun in ein Stadium eingetreten, in dem der Einzelne mit seinem Eigentum den ganzen Tag hellwach sein muß, wenn er nicht betrogen werden will.



26.   Ich habe, seit ich mit Jugendämtern zu tun habe, das ist seit gut zwanzig Jahren, diese staatliche Institution als heimtückische Idiotie verstehen gelernt. Im Namen der Gerechtigkeit produziert sie unaufhörlich Leid bei Kindern und Eltern. ( So wurde im Juni 2015 auf der Geburtsstation des Klinikums Oberberg (Gummersbach) durch Intervention des Jugendamts ein Neugeborenes von seiner verzweifelten Mutter getrennt.)



27.   Hinter einer formaljuristisch korrekten Fassade wird in Deutschland der wüsteste Perversionenkult betrieben. Bei absurdesten Rechtsinhalten, die auf Zerstörung des Einzelnen und seiner Welt zielen, ist frecherweise von Rechtsstaat die Rede. Dabei ist jede Kultur, das heißt auch gemeinsames Wissen um Recht in ständigem Rückgang, so daß dem Staat auch nichts anderes übrig bleibt, als die von ihm verursachte Zerstörung zu verwalten. Das gleiche Phänomen ist zwangsläufig in allen Bereichen des öffentlichen Lebens zu beobachten, ganz deutlich zum Beispiel im Bildungsbereich: das Chaos „Schule“ wird nur noch verwaltet. Der gewaltige Bereich des (christlich verursachten) Krankenwesens nimmt den „Kranken“ vorwiegend als jemanden, der verwaltungsmäßig erfaßt und begleitet werden muß. Seine Krankheit ist eigentlich nur noch der Anlaß für seine Aufnahme in den Verwaltungsapparat eines ungemütlichen Zauberbergs. Auch politische Ämter und Missionen, der lachhafte Generalsekretär der Vereinten Nationen, ja, der lächerliche Papst sind primär unter dem Verwaltungsaspekt tätig. (1) Dieselben Phänomene lassen sich im Kunstbetrieb beobachten.


(1) Vgl. die groteske Rolle der Vereinten Nationen beim Völkermord in Ruanda, wo man zunächst den Begriff „Genozid“ klären wollte …




28.   Der Staat ist, als logizistische Wahnvorstellung der „Aufklärung“, Erziehung zum gesellschaftlich Reinen, welches am Ende immer das reine Böse ist, wobei Diktaturen der schnelle, Demokratie der langsame Weg dorthin sind. Früher hatte man einen guten oder einen schlechten Herrscher, jetzt hat man nur noch eine mörderische Wahnstruktur über sich. Man sehe doch nur, welche Verwandlung der kleinste Wicht durchmacht, wenn er ein staatliches Amt innehat! Hinter seinem Schreibtisch wird er sofort zum Arschloch. Fast jeder kleine Zollbeamte in welchem Land auch immer läßt das die Ein- und Ausreisenden merken und sonnt sich in der ohnmächtigen Wut der Misshandelten. Selbst in den asiatischen Ländern mit ausgeprägter Höflichkeit legen die Amtspersonen plötzlich (nach westlichem Vorbild) ein rüdes Verhalten an den Tag. Ich habe das selber an den Grenzen von Thailand und Kambodscha und in Bombay erlebt, bei meinem ersten und letzten Einreiseversuch nach Indien. Jeder Leser wird die Verwandlung von kleinen Wichten in Statthalter Gottes erlebt haben. Daß der Staat von Gott ist, sieht man auch daran, daß er sich nie entschuldigt, nie zugibt, an einem Individuum Unrecht begangen zu haben, selbst wenn dies völlig offensichtlich ist.


In Thailand demonstrierten jüngst Regierungsgegner mit Guy-Fawkes-Masken: Es ist fraglich, ob sie – und damals Guy Fawkes selber – die tiefe Bedeutung ihrer Initiative begriffen haben.

Freitag, 12. Juni 2015



1.   Über Recht  wird wenig philosophiert  - von wem auch? – und gar keine Kritik an der Rechtsprechung wird laut;  hier fürchten alle die selbstherrliche – da  „göttliche“ – Instanz,
die keiner Kontrolle mehr unterliegt und den Kritiker  krähenmäßig verderben kann.


2.   Formale Rechtsstaatlichkeit  macht noch keinen Rechtsstaat; im Gegenteil muß man sich
fragen, ob sie nicht – wenn losgelöst von der Rechtsrealität – vielmehr Ausdruck eines tiefwurzelnden Einverständnisses mit dem Unrecht, ja, eines Willens zum Unrecht ist. Ich meine den sadistischen Zug in der zwanghaften Korrektheit, die sich ideologisch manipulieren läßt, weil sie unaufrichtig ist.


3.   Hinzu kommt der allgemeine Realitätsverlust. – Die Menschen, vor allen die jungen,
verbringen Zeit um Zeit im Internet, das heißt in einer bloß fingierten Wirklichkeit, und
 verlieren dadurch den Kontakt zur Welt und ihrem eigenen Leben. Im Verwaltungswesen,
im Rechtswesen, in Erziehung und Bildung hat die Datenverarbeitung ihre Inhalte bereits hinter sich gelassen und Selbstläufer inszeniert, die mit der eigentlichen Realität des Einzelnen nichts mehr zu tun haben. Man leugnet, man verharmlost, man tut, als verstünde
man nicht, warum Dinge geschehen, warum zum Beispiel Kinder – jetzt Kids – nicht mehr
gehorchen, amoklaufen. – Was ist zu tun? Ich für meinen Teil boykottiere die Moderne
durch „Nichtbeteiligung“, „Non-Cooperation“, Verweigerung, zivilen Ungehorsam und
gewaltlosen Widerstand.


4.   Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. – Es ist nicht  so, daß durch Demokratie größere Rechtsstaatlichkeit hergestellt würde: das Gegenteil ist der Fall. Das Gefühl für Recht ist ein eminent aristokratisches Gefühl. Die Demokratie, letztlich Pöbelherrschaft, bringt es nur zu einer formalen Rechtsstaatlichkeit, die sich schnell als lügenhafter Ersatz für wahres Recht erweist und zuletzt einer Abschaffung desselben gleichkommt. Für jeden, der den verkommenen politischen Ideologen nicht glaubt, ist es schon deutlich, ja, überdeutlich zu erkennen, wie das Rechtswesen zerfällt, wie alle sich nur noch bemühen, formales Recht zu wahren, und auf Formfehler der andern warten, um zu obsiegen. Und im Grunde zielen die ideologischen Bewegungen seit dem ausgehenden Altertum ja insgeheim auf Abschaffung des Rechts zugunsten eines virtuellen Pöbelparadieses, - Strategien zur Abschaffung des Menschen und des Lebens überhaupt.
Deutschland hat mich um Kindheit und Jugend, dann um den schönen Beruf  besch…. Es hat mich in den besten Mannesjahren  um Familie und Kinder rechtskräftig  besch…. Es hört auch im Alter nicht auf, mich bezüglich meiner Lebensgestaltung zu  besch…. Dafür verwandle ich mich ihm in einen Haufen von geradezu kosmischem Ausmaß.
Auf dem deutschen Volk lastet wie auf dem jüdischen der Fluch, sich bei anderen Völkern verhasst zu machen. Wie gut hatte es doch noch Heine, der nur weinen mußte, wenn er an Deutschland in der Nacht dachte. Die deutsche Nacht ist mir mit grauenhaften Monstern der Vergangenheit und Gegenwart bevölkert, daß ich mich mitunter in wüsten Träumen winde.

5.   Mit der rechtswissenschaftlichen Kunst des formallogistischen Analysierens von Fällen, die im Prüfen und Abhaken von Merkmalen, die alle nicht fehlen dürfen, daß ein Tatbestand  erfüllt sei, besteht, hat sich mein gesunder Tatsachen- und Bewertungssinn nicht abfinden können; aber man hat mich schon im Grundstudium bedeutet, daß ein solches Verfahren, das zu den merkwürdigsten Ergebnissen kam, wenn man die Summe zog, unabdingbar sei und allein Recht nach dem Gesetz verbürge. Ich gab schließlich, wie alle denkenden Menschen, den Irrsinn auf.


6.   Die christliche Juristerei ist eine Schule des Hasses und der Wut gewesen; sie hat im Mittelalter ein Grauen verursacht, wie es noch keines auf Erden gegeben hatte. Sie war an allen systematischen Verbrechen gegen Menschen, gegen viele Millionen von Menschen, immer maßgeblich beteiligt.


7.   Der Nominalismus hat mir zur Aufdeckung des wahnhaften Charakters der abstrakten Vorstellungen verholfen. Auch Stirner ist hier Gold wert: Die Wissenschaft , das sind die Wissenschaftler, das ist in Zeiten der Pöbelherrschaft  das Pack; die Rechtswissenschaft, das sind die Juristen, das ist in Zeiten der Pöbelherrschaft das Pack, wie es im Nationalsozialismus Freisler und Konsorten waren. – Die Wahrheit zu sagen ist in Zeiten der Pöbelherrschaft vielleicht am schwierigsten, weil es niemanden mehr gibt, der den Philosophen vor dem Pack beschützen könnte. Das Pack ist da überall und allmächtig; es hat die Attribute, mit denen ausgestattet es sich den von ihm im Sklavenaufstand erfundenen Gott dachte. – Heute, da alles christlich eingefälscht ist, soll „Wissenschaft“ der Trick sein, mit dem man um das Wissen herumkommen will. – In „demokratischer“ Zeit hält Nietzsche jedoch die Verbindung zum Menschen aufrecht, ähnlich Hölderlins „Hyperion“. Die parareligiösen Machenschaften der Wissenschaftler waren mir rasch zuwider, als ich erst einmal ihren Scheinernst und ihre Gleißnerei erkannt hatte, zum Beispiel bei Bertrand Russell … Das gilt auch für die Rechtswissenschaften. Hier Humanität  erwarten, wirkliche, nicht nur geheuchelte, hieße auf die Güte des Teufels hoffen. In der christlichen Rechtsprechung tritt der bösartige Charakter der Ideologie am teuflichsten zutage.


8.   Der Staat als der neue Götze verkehrt nur noch über seine Priesterschaft, die Juristen, mit dem Einzelnen. Die weltfremde logizistische Spielerei der Rechtswissenschaft funktioniert innerhalb des theologischen Grundwillens der Vertilgung des (bösen, sündigen, schuldigen) Inhalts durch die (reine, gute) Form. Der logizistische formalrechtliche Überbau hebt das eigentliche Recht auf und macht den perversen Gottesstaat zum „Rechtsstaat“. Die gräßliche Verdummung durch die „Aufklärung“, zum Beispiel durch Montesquieu oder den philosophischen Jammerlappen Rousseau, wurde nicht bemerkt, weil infamerweise immer von „Vernunft“ die Rede war. Die Transformation von Natur in Widernatur wird als Fortschritt ausposaunt. Die „Menschenrechte“ sind aufgehoben, aber jeder erhält eine formalrechtlich korrekte Behandlung. Die Fehler, die Freisler gemacht hat und die 1944 vom Justizminister gerügt wurden, werden vermieden. Man ließ sich damals noch durch „Inhalte“ hinreißen, man stand, so gesehen und so unglaublich das scheinen mag, in seinem Unrecht dem Recht noch näher als das heutige „Recht“ dem Recht steht.


9.   Dem Rechtsstaat auf den Schlichen. – Ebensowenig wie im Mittelalter kann jemand heute seine Unschuld beweisen: Die Schuld liegt darin, einen Unschuldigen anzuklagen. Wie man damals in langen theologischen Traktaten gezeigt hat, daß eine Hexe eine Hexe ist und man ihr nicht trauen darf, so wird nun die Jurisprudenz als Erbin der theologischen Spitzfindigkeit bemüht. (1) Was sich vollzieht, ist die Überwältigung des Rechtsstaats durch den „Rechtsstaat“. Dabei hat die kapitalistische Vulvokratie dem Juristenstand wie einem Klerus ohne Papst die uneingeschränkte Suprematie zugespielt. Es geht nichts mehr ohne Anwälte und Gerichte, die sich jetzt gegenseitig in die Hände arbeiten. Wer vor den neuen Herrn nicht buckelt, hat gleich verloren. „Nach gewissen Theorien, die sich in unserem neunzehnten Jahrhundert nur zu deutlich ausgeprägt haben, soll sich Kirche in Staat verwandeln – gleichsam aus einer niedrigeren Form in eine höhere -, um darauf ganz zu verschwinden im Staat, indem sie vor der Wissenschaft, dem Zeitgeist und der Zivilisation zurücktritt, ihnen also einfach Platz macht.“ (Dostojewski, Die Brüder Karamasoff, München 1977, S.102) Mir wurde doch tatsächlich vom Verwaltungsgericht Berlin ein „Empfangsbekenntnis“ bezüglich des Erhalts eines Schriftstücks abverlangt!
(1) Die gängige Praxis der Umdatierung, eine Fälschung, zeigt zum Beispiel, daß es nur um Sicherung der Formalrechtlichkeit geht. Der Gegenstand der Verfahren tritt zurück, hört auf, Zweck des Verfahrens zu sein. Das Verfahren wird zur Farce.


10.   Der Rechtsstaat wird zunächst schon daran scheitern, daß die Juristen die deutsche Sprache gar nicht richtig beherrschen, sondern sich eines schwer verständlichen und zuweilen bewusst mystifizierenden Kauderwelschs befleißigen, das wie die Klassenarbeiten schwacher Viererkandidaten im Fache Deutsch gar nicht korrigierbar ist. Diese Kandidaten entscheiden sich übrigens besonders gern für das Studium der Rechtswissenschaften. Sie wissen bei der Tatbestandsprüfung ihre Häkchen so geschickt zu setzen, daß einen denkenden Menschen schwindelt, und daraus eine Entscheidung abzuleiten, daß einen abermals schwindelt. Und dann: Wer hätte gedacht, daß Milch „das Gemolk einer oder mehrerer Kühe (ist), dem nichts hinzugefügt und nichts entzogen worden ist“? Da kommt einem Denken wie das Gedonk eines oder mehrerer Narren vor … Wer hätte auch gedacht, daß man mit einem Pferd nicht durch den Wald, wohl aber durch den Verkehr einer Großstadt reiten darf, daß man für einen Grabstein einer Baugenehmigung bedarf. Wenn man ein armer Siamese ist, ein Waisenthai sozusagen, darf man zwar erfahren, wo der Weihnachtsmann mit seinem prallen Sack herkommt, besuchen aber darf man sein Wunderland nicht, der teure Visumsantrag wird „abglehnt“ (sic!) Wenn es der Incubus nicht ist, dann eben der Succubus, was zu seiner Abweisung führt. Die Argumentation erreicht mitunter einen solchen Grad an Willkür, daß die Auseinandersetzung um Vorurteile den „Rechtsstaat“ ridikülisiert. Wie kann man glauben, der Großinquisitor werde den Inquisitor ins Unrecht setzen!? Der Gang durch die Instanzen soll nur das Heer der Juristen versorgen, die den „Rechtsstaat“ verwalten, während das Recht verkommt. Warum habe ich so lange gebraucht, um zu dieser Erkenntnis zu gelangen? Als Idealist humanistischer Täuschung dachte ich bei „Mensch“ immer mit Schiller an den „freien, mündigen Bürger“ und dachte mir den demokratischen Staat als die Organisationsform solcher Bürger. Der Mensch im allgemeinen hat aber den Adel gar nicht, der für Werte und wahres Recht Voraussetzung ist. Sein Rechtsstaat kann nur die Fassade eines Rechtsstaats sein, welche Tatsache sich Hitler zunutze gemacht hat.


11.   Daß nun alles für gleich erklärt wird, als Vorspiel des Nihilismus, mit gleichen Rechten, hat seinen Grund im logizistisch-nihilistischen Denkansatz, der sich wie ein Krebs in die Rechtsauffassung und die formal-juristischen Prozesse vorangefressen hat und im Endstadium vor nichts mehr haltmacht. Jetzt erst ist das Römische Reich an seinem Ende angelangt. Der Parasit Christentum, der sich bis zuletzt, es verzehrend, daran angeklammert hat, hängt nun in der Luft und steht unmittelbar vor dem freien Fall.